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IM DIENSTE DER GEMEINSCHAFT

60 Jahre Österreichischer Hilfsverein

Raquel Saenz Araya de Schwald

Zu seinem 60-jährigen Bestehen erschien der folgende  Artikel über den „Österreichischen Hilfsverein“ in der Österreichbeilage des „Argentinischen Tageblatts“ vom 26. Oktober 2008. Er subsumiert in etwa die Motive für seine Gründung und damalige Zielsetzung.

Ein Jubilar schaut gern auf die vergangenen Jahre zurück. Nun ist unser Österreichischer Hilfsverein 60 Jahre alt und man kann auf die vielen Ereignisse, Anstrengungen, Erfolge, Eroberungen, Freuden und Sorgen zurückschauen.

Damals, im Jahre 1948, galt es, notleidenden Österreichern in der kriegsverwüsteten Heimat zu helfen. Unter dem Protektorat des Österreichischen Gesandten Dr. Günther, aus privater Initiative,  mit freiwilligen und tatkräftigen Helferinnen wurde ein Hilfsverein ins Leben gerufen. Im Protokoll der Vorstandssitzung vom 29. Oktober 1948, liest man:

„… daß es Ehrenpflicht des Vorstandes sein wird… die größtmögliche Aktivität im Geiste der „Befriedung und Versöhnlichkeit zum Nutzen der hilfsbedürftigen Österreicher hier und in „der Heimat zu entfalten…….“

Anfangs wurden Pakete für die Internationale Kinderhilfe, für den Verein „Kinderfreunde“, für Caritas, für die Israelitische Kultusgemeinde gesammelt und verschickt, um Landsleuten im armen, hungrigen Österreich notlindernd beizustehen. Später wurden weitere Sendungen durch neue Ausfuhrbestimmungen leider unterbunden. So wandte sich die Fürsorge verstärkt den neuen und  früheren Einwanderern zu, die in Not waren und fern ihrer Heimat ohne helfende Familienangehörige, ohne Staatsunterstützungen oder Rente schwer aus ihrer Notlage herausfinden konnten. Überraschend groß war die Zahl der Hilfesuchenden, die sich all diese Jahre bei uns einstellten.

Unsere Tätigkeit begann in den Büros der Firma Aceros Styria, die in liebenswürdiger Weise einen Raum zur Verfügung stellte, unser zweites Büro verdankten wir Herrn Fritz Richter, bevor wir in die Coronel Diaz 2170 umzogen.

1965 konnte mit Hilfe vieler, vieler Freunde und Gönner die Liegenschaft auf Ciudad de La Paz 2550 erworben werden. Für viele Menschen ist die Adresse der Ciudad de La Paz auch heute noch der Inbegriff warmherziger Hilfe.

Das schon damals alte Gebäude konnte freilich dem Walten der Zeit nicht entgehen, und wurde sehr baufällig. So war 1997 das Angebot  finanzieller Unterstützung zum Ankauf eines neuen Büros, das der Hilfsverein vom österreichischen Unterrichtsministerium erhielt, mehr als willkommen. Es war nicht leicht ein geeignetes Objekt zu finden, das nahe des alten Büros, und ebenerdig sein sollte. Aber schließlich fanden wir die Wohnung in der Vuelta de Obligado, die nach dem Verkauf des alten Gebäudes im Januar 1998 in Besitz genommen werden konnte.

Heutzutage sind die meisten unserer Schützlinge alte Leute; Kranke, Alleinstehende, Katastrophen-Opfer, kurzum sehr bedürftige Menschen. Sie  erhalten Unterstützung durch Bargeld, Kleider, Wäsche, Medikamente, Brillen, usw. Wir bemühen uns um Einweisung in Spitäler und Altersheime wenn es notwendig ist, und helfen bei Ämter- und Behördenwegen.

Die Protokolle der Vorstandssitzungen sagen – damals und auch heute noch – vieles aus  über die Aktivitäten

Die erste Sitzung, in der der Vorstand konstituiert wurde, fand am 7. September 1948 in der österreichischen Gesandtschaft statt. Seine erste Aktion ist der Ankauf von 3 Tonnen Honig und einer halben Tonne Trockenmilch, die der Internationalen Kinderhilfe für die österreichische Bundesregierung übersand werden – nicht ohne daß vorher durch Präsidentin Dietrichstein und Frau v. Kreutzbruck Vergleichspreise eingeholt wurden. Diese Sendung konnte im Februar 1949 endlich verschifft werden.

Juni 1949:

“Der Vorstand verspricht dem Deportiertenlager in Salzburg Hilfe bei der Personensuche.”

August 1950:

“Frau Lieber berichtet über ihren und Frau Lessners Besuch bei Frau Faibl. Es wird beschlossen Frau Faibl eine monatliche Unterstützung von 100 pesos zu gewähren.“

August 1951:

“Der als Blinder Passagier eingereiste Herr Senoner hat Arbeit auf einer Estancia gefunden, und bittet um eine Arbeitshose. Frau v. Kreutzbruck verspricht sich darum zu kümmern.”

31. Oktober 1960.

“Die Kassierin teilt mit, daß von den Mitgliedern bereits 152 100,-  pesos an Spenden für den Bau des Deutschen Hospitals eingegangen sind.”

4. Mai 1965:

“Der Vorstand beschließt die individuelle Erhöhung der Zahlungen, um der Teuerung Rechnung zu tragen.”

August 1981:

“Frau Samwald, 87, aus Puerto Esperanza/Misiones , braucht mehr Hilfe, die $130.000,- reichen nicht aus.”

Juli 1987:

“Die Damen des Vorstands werden diesen Schützlingen, die nicht selber in die Botschaft gehen können, das Geld vom ‘Fonds zur Unterstützung bedürftiger Österreicher im Ausland’ nach Hause bringen.”

November  2007:

“Die Botschaft bittet um Hilfe für die Familie Grebien in Cordoba, wo der Vater infolge eines Unfalls zu 70% arbeitsunfähig ist und es vier junge Kinder gibt. Glücklicher Weise kann der Vorstand der Botschaft einen größeren Betrag zur Linderung der ärgsten Not überreichen.”

Daß unsere Protokolle auch ein lebendiges Zeugnis des wirtschaftlichen Auf und Ab in Argentinien darstellen, kann man aus diesen Beispielen ersehen.

Die Mittel für unsere Arbeit  werden durch Mitgliedsbeiträge,  Spenden, Lose, Veranstaltungen wie „Rendez-vous en Austria“ und  “Heuriger”, etc., und – in den letzten Jahren – einen Flohmarkt  (“Feria Americana”), aufgebracht.  Die Veranstaltungen des ÖHV bedeuten für unsere Kolonie seit eh und je einen beliebten und geschätzten Treffpunkt, wo man in traditionellem Rahmen und bei guter Stimmung zusammenfindet.

An dieser Stelle möchten wir allen gütigen Freunden, Spendern und Wohltätern danken, die uns durch Jahre treu zur Seite stehen und Verständnis für unsere schwierige Aufgabe bekunden. Wir danken von tiefstem Herzen: voran unseren Botschaftern und Botschaftsmitgliedern;   Pater Paul Denninger; unseren Rechtsberatern; den Mitgliedern und Förderern des Vereines; den früheren und gegenwärtigen Mitarbeitern. Sie alle sind für uns nicht nur Namen auf einer Liste sind, sondern Menschen. Und sie haben dem Verein unschätzbare Dienste geleistet, durch ihre begeisterte und spontane Bereitwilligkeit zu helfen, einzugreifen und zu unterstützen wo es am meisten Not tat.

Die praktische Arbeit wurde und wird von den hilfsbereiten, tatkräftigen und klugen Damen des Vorstandes bewältigt, die ihre Zeit, ihre Erfahrung und ihre Kenntnisse selbstlos zur Verfügung stellen, ohne etwas davon herzumachen. Ihnen gilt der höchste Dank für alle Großzügigkeit, Arbeit, Mühsal, Opfer und Treue, denn ohne sie könnte so ein Verein überhaupt nicht bestehen.

Es werden, stellvertretend für alle, nur die Präsidentinnen genannt:

Mercedes Dietriechstein +

Emmy Weiss +

Eva Benewitz +

Traudl Walser +

Ursula Wurst

Leonor Vagedes

Raquel  Schwald

Margarita Kade

Isabella Berczely

Viele, die uns auf dem Weg begleitet haben, weilen nicht mehr unter uns – ihnen gilt unser inniges Gedenken.

Im Jahre 1955 schrieb uns Bundespräsident Theodor Körner:

“Österreich hat das Glück, nur solche Kolonien sein Eigen zu nennen, die ihm nicht verloren gehen können und auf die es immer stolz sein darf: Nämlich die rein ideellen Kolonien der Auslandsösterreicher in ferner Landen, die der alten Heimat auch in deren schwerster Zeit treu geblieben sind und sich zu ihr bekannt haben…….Der schönste Beweis für das Gefühl fester Zusammengehörigkeit, das alle Österreicher umschließt, ist die Hilfsbereitschaft,ilfsbereitschaft, mit der sich die VereineHilfsbereitschaft, mit der sich die VderV mit der sich die Vereine der Auslandsösterreicher, nicht zuletzt jener in Argentinien, immer wieder der in Bedrängnis geratenen Landsleute annehmen. Das Heimatland weiß diese Leistung zu schätzen und ich erfülle nur eine freudige Pflicht, wenn ich für sie im Namen Österreichs von Herzen danke.“

Heute genauso wie vor 60 Jahren stellt die Arbeit im ÖHV, wo sowohl unter den aktiven Mitgliedern und Mitarbeitern, als auch unter den Schützlingen verschiedenste  Religionen, Weltanschauungen, Gesellschaftsgruppen und politische Meinungen tatkräftig und solidarisch zusammenstehen, einen ganz wichtigen Faktor dafür dar, daß das „Gefühl fester Zusammengehörigkeit , das alle Österreicher umschließt“ in Argentinien auch weiter bestehen bleibt.

Die Zeiten ändern sich, es kommen fast keine Einwanderer mehr. Wer jetzt, meistens auf Zeit, nach Argentinien übersiedelt, kommt aus dem reichen, sozial abgesicherten Österreich. Unsere Form der privaten, schlichten und direkten Hilfe erscheint da überflüssig, fremd, beinahe unverständlich. Unser Verein hat nicht so viele Mitglieder wie früher, auch nicht so viele Schützlinge. Aber Not und Armut sind in Argentinien leider nicht verschwunden. Wir brauchen IMMER NOCH Unterstützung,  um das tun zu können, wofür wir aufgerufen sind: notleidenden Österreichern zu helfen.

Darum bitten wir alle ÖsterreicherInnen, so wie auch Nachkommen von Österreichern, und alle Menschen guten Willens, um Unterstützung :

Helfen Sie Uns Helfen

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